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Balingen, 14.04.2019

Es fließt Blut und ist trotzdem mehr als bloße Gewalt

Die MMA-Veranstaltung „Nova FC – A Star Is Born“ feierte am Samstag ihr Debüt in der Balinger Sparkassen-Arena mit über 2300 Gästen.

Das Blut floss ab dem ersten Kampf, Fausthiebe schlugen auf Körper ein wie eine Axt auf Holz und stählerne Muskeln wanden sich um den Körper des eingefangenen Gegners. MMA – steht für Mixed Martial Arts – ist offensichtlich nichts für schwache Nerven – aber es ist mehr als bloße Gewalt.

Die Debütveranstaltung von „Nova FC – A Star Is Born“ wartete mit viel Action und Vielfalt in der Sparkassen-Arena auf. Die 24 Kämpfenden hatten eine Altersspanne von 18 bis 37 Jahren, kämpften von 50 bis 97 Kilogramm und traten für über zehn verschiedene Länder an. Veranstaltungspräsident ist der Balinger UFC-Fighter und Planet Eater-Headcoach Peter Sobotta. Gemeinsam mit seinem Partner und „Matchmaker“ (Planer der Gegneraufstellungen) Tim Leidecker stellte er die Veranstaltung auf die Beine. Als Initiator und finanzieller Träger fungierte „Seven Sports“, wodurch die Premiere von „Nova FC“ auf ranfighting und magentatv live übertragen wurde. Außerdem brachten die Beziehungen zum Fernsehen der Veranstaltung den Prominenten Raphael Vogt als Sprecher des Abends ein.

Vogt ist bekannt aus den Fernsehserien „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ und „Alles oder Nichts“. Er ist seit Jahren selbst aktiv auf der Matte und war Präsident der GEMMAF (German Mixed Martial Arts Federation). Auf der Facebook-Seite von „Nova FC“ lief nach der Veranstaltung ein Ranking. Den Kommentaren nach zu urteilen dürfen sich Shawn da Silva und Shawais Mohammadi mit dem Titel „Fight of the Night“ schmücken.

Mit einem Kampfgewicht von 56,7 Kilogramm folgte eine Aktion nach der anderen. Schnell wie der Wind kamen Schlagabfolgen und spannende Tricks wie Flip Kicks (Kick mit Umdrehung) und Kniestöße im Sprung. Ihr Kampf war ursprünglich als Dark Fight (offiziell, nicht presserelevant) am Nachmittag eingeplant.

Eine Frau war zu schwer

Am Freitagabend wurde der Frauenkampf zwischen Paulina Ioannidou und Bestare Kicaj abgesagt, da Ioannidou über 2,5 Kilogramm über dem Kampfgewicht lag. Das ermöglichte da Silva und Mohammadi ihr Können im publiken Programm unter Beweis zu stellen. Da Silva vom Fighterteam Planet Eater entschied das Heimspiel für sich.

Unter „Submission of the Night“ liegt Lukas Gruber in den Bewertungen ganz vorne. Er dominierte seinen Gegner Hojat Khajevand mit einer Armbar in der ersten Runde. Damit stellte Gruber unter Beweis, dass im MMA alles möglich ist. Üblicherweise treten die Kämpfer mit einem extrem geringen Körperfettanteil an und verlieren vor dem Kampf mindestens fünf bis zehn Kilogramm. Der Regensburger liegt hier optisch über den MMA-Verhältnissen und machte in den ersten Minuten keine sonderlich gute Figur. Khajevand teilte einige harte Treffer aus. Im richtigen Moment nutzte Gruber aber seine Chance und schlang seinen Körper äußerst eindrucksvoll um den Arm von Khajevand. Damit erzwang er den Abbruch durch den Schiedsrichter in der ersten Runde und der Sieg war sein. Gruber stellte beeindruckend unter Beweis, dass die Optik im MMA keine Aussagekraft hat. Ebenso ist in diesem Sport nichts entschieden, bevor die Zeit nicht um ist – so hoffnungslos es auch scheinen mag.

Den „Knockout of the Night“ darf sich der Franzose Michaël Dubois zuschreiben. Sein Fausthieb traf den Planet Eater-Kämpfer Mert Özyildirim derart hart, dass sich dieser nicht mehr davon erholen konnte. Özyildirim bewies wahren Kampfgeist und versuchte, sich zu halten, konnte seine Besinnung aber nicht wiedergewinnen. Nach dem Kampfabbruch fiel es ihm schwer, sich zu erheben. Dubois reichte ihm die Hand und zur Siegervergabe standen die Kämpfer nebeneinander. Der Kampf kann als Paradebeispiel für den Sportsgeist des MMA gewertet werden.


Im Käfig sind die Kämpfenden gnadenlos, aber sie werden nicht persönlich. Es geht stets um die Leistung, die mit Respekt und Dankbarkeit einhergeht. Häufig liegen sie sich nach getaner Arbeit in den Armen, wie beispielsweise Rany Saadeh und Adam Borovec nach 15 Minuten härtestem Schlagabtausch.

Käfige aus Dresden

Nova-Präsident Sobotta äußert sich folgendermaßen: „Es war extrem hart, die Kämpfenden aus meinem Team vorzubereiten und gleichzeitig das Event zu organisieren. Jetzt aber, wo ich alles sehe, muss ich sagen: Ich bin glücklich, denn es hat sich gelohnt.“ Die letzte schlaflose Nacht suchte Sobotta direkt vor dem Veranstaltungstag heim. Teile des Kampfkäfigs sind nicht geliefert worden. In einer „Nacht und Nebel-Aktion“ mussten diese aus Dresden abgeholt und um vier Uhr morgens in Teamarbeit montiert werden. Heute fliegt er schon nach Sankt Petersburg, um dort der nächsten Kampfveranstaltung beizuwohnen. Das nächste Event werde nicht so bald stattfinden, „aber Nova 2.0 kommt definitiv“, so Sobotta im Interview.

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